Gestalten für Koexistenz: Wintersemester-Studio Wild Cities 2026 erfolgreich abgeschlossen

19. Februar 2026

[Bild: ILPOE]

Wir haben das Winterstudio 2025–2026 Wild Cities: Shared Landscapes for People and Nature in Stuttgart erfolgreich abgeschlossen. Unter der Leitung von Prof. Leonie Fischer und Koordination durch Angie Camacho untersuchte der Kurs Architektur, Stadtplanung und Design aus einer mehr-als-menschlichen Perspektive, die die in der Stadt lebende Tier- und Pflanzenwelt anerkennt und integriert.

Durch intensive Forschungen zu Pflanzengemeinschaften, Tierarten und städtischen Ökosystemen in Stuttgart entwickelten Bachelor- und Masterstudierende der Architektur und Stadtplanung Vorschläge für gemeinsame urbane Landschaften, in denen das Zusammenleben von Menschen und Nicht-Menschen im Mittelpunkt steht.

Im Verlauf mehrerer Wochen setzten wir uns mit zentralen Konzepten der Stadtökologie auseinander, darunter Multispecies Justice, Mensch-Natur-Interaktionen und Mensch-Wildtier-Konflikte (HWC). Das Studio ließ sich von Animal-Aided Design und naturbasierten Lösungen inspirieren, neu interpretiert durch eine multispeziesorientierte Perspektive. Das Programm umfasste einen kollaborativen Workshop mit der University of Massachusetts, einen Ausflug nach München und mehrere Expertenbeiträge. Besonders dankbar sind wir für die großzügige Unterstützung und den fachlichen Austausch mit:

  • Dr. Paige Warren, University of Massachusetts
  • Dr. Sophie Lokatis, Freie Universität Berlin
  • Dr. Simon Sebastian Moesch, Ruhr-Universität Bochum
  • PhD-Kandidatin Maria Claudia Valverde, Universität Stuttgart
  • Konrad Bucher, Ackermannbogen e.V.
  • Dr. Wolfgang W. Weisser, Technische Universität München
  • Dr. Monika Egerer, Technische Universität München
  • Forschungsprojekt CitySoundscapes, Technische Universität München

Im Folgenden finden Sie einen kurzen Überblick über die Projekte der Studierenden.

Ecotone Continuum

Beim Spaziergang durch das Stadtzentrum Stuttgarts trifft man nur selten auf Heuschrecken oder Fledermäuse. Generell ist die Biodiversität kaum sichtbar. Dies gilt besonders für sehr versiegelte Flächen wie jene Plätze, auf die wir uns am meisten konzentrierten: den Kronprinzplatz und den Marienplatz. Die Interaktion zwischen Arten ist minimal, und die Abgrenzung der Lebensräume ist unklar. Bei der Analyse der Flächen fielen zwei Faktoren besonders auf: Hitze und Lärm. Der Kronprinzplatz war überhitzt, und der Marienplatz war laut. Die Verstärkung dieser beiden Faktoren – zusammen mit dem fehlenden integrierten Grün – würde die Plätze in naher Zukunft unerträglich machen.

Pergola-Strukturen schaffen Schatten, Wasserflächen kühlen ab, und durch Mikro-Topographie sowie Lärmschutzwände wird der Lärm reduziert. Darüber hinaus integrierten wir hitze- und lärmmindernde Bäume und Pflanzen in unsere wiesenbasierten Erweiterungen, um die Qualitäten der Wiesenlandschaft und der Wasserflächen langfristig zu sichern.

Diese Eingriffe schufen auch Lebensräume für viele Arten, die nun in diesen grauen Plätzen besser leben können. Schließlich machen soziale Interventionen wie interaktive Gartentische und ein Sinnespfad den Kronprinzplatz und den Marienplatz zu harmonischen, architektonisch ansprechenden und biodiversen Räumen, die allen zugänglich sind.

Von Yara Laua und Zoë Britt Bonin

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Isometrische Ansicht der Zielarten – willkommen – und ihrer Lebensräume am Marienplatz

Pragfriedhof integrieren und Mensch-Wildtier-Koexistenz fördern

In den meisten Teilen Deutschlands werden Friedhöfe noch immer als abgeschlossene, zurückgezogene Orte wahrgenommen, die der Trauer und Reflexion vorbehalten sind – eine Welt, die vollständig vom Alltag außerhalb ihrer Grenzen getrennt ist. Jahrzehntelang war dies auch beim Pragfriedhof der Fall, dessen hohe Mauern die Trennung von Stuttgart und seinem wachsenden grünen Netzwerk verstärkten.

Heute hat der Friedhof jedoch im wörtlichen wie im übertragenen Sinne frische Luft bekommen, indem er Teil des neuen Green-0-Netzwerks aus Parks, Weinbergen, Pocket Parks und ruhigen, bepflanzten Straßen wurde. Innerhalb seines Geländes hat der Pragfriedhof nicht nur seine Infrastruktur, sondern auch seine Identität transformiert. Er unterstützt Flechten, Vögel, Insekten und heimischen Pflanzen durch schattige Hainflächen, Totholzhabitate, Wieseninseln und feuchte Steinereiche. Besucher:innen werden eingeladen, sich durch ruhige Sitznischen, Vogelbeobachtungsspaziergänge und pädagogische Elemente mit diesen Prozessen auseinanderzusetzen.

Diese Transformationen machen den Pragfriedhof zu einem porösen ökologischen Korridor und zu einem kontemplativen Stadtpark, der in das Green U integriert ist.

Von Adrian Jonikans, Sofia Sayritupac und Rosanara Taing

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Diagramm der Arteninteraktion und Lebensräume für die vorgeschlagenen Bereiche innerhalb des Friedhofs Pragfriedhof

Perpetual Mosaics

Der heilige Akt des Gedenkens ist in ein vielschichtiges urbanes Ökosystem eingebettet und zeigt ein starkes Engagement für ökologische Vitalität und Gemeinschaft. Perpetual Mosaics zielen darauf ab, die dynamischen und bedeutenden Elemente des Friedhofs Dornhaldenfriedhof in essenzielle urbane Biosphärenreservate zu verwandeln und so ihren Stellenwert innerhalb der Stuttgarter Infrastruktur zu erhöhen.

Mit einer Vielzahl von Zielarten, darunter kleine Säugetiere, nachtaktive Vögel, Amphibien und Insekten, nimmt das Projekt eine mehr-als-menschliche Perspektive auf mögliche Lebensräume und Bewegungsflächen ein, während es respektvoll in einen Ort des Gedenkens eingreift.

Eine Zonierung der Lebensräume schützt die historische Zone und vereinbart Kulturerbe mit Ökologie. Über die Natur hinaus werden diese Orte als respektvolle, interaktive öffentliche Räume mit durchlässigen Wegen und schattigen Hainen gestaltet, die zum Nachdenken, Bewegen und zu Gemeinschaftsaktivitäten anregen. Sie dienen als Freiluftklassenzimmer für ökologische Bildung, wobei digitale Integration Besucher:innen mit den natürlichen und historischen Narrativen der Landschaft verbindet.

Von Esther Coulibaly, Meghana Girish und Štěpán Roletzki

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Analyse der Zielarten und Zonierung der Lebensräume

Nesenbach Reborn: Vorschlag für eine gemeinsame Uferlandschaft

Manche nennen Stuttgart noch immer „Stuttgart am Nesenbach“ statt „Stuttgart am Neckar“. Doch warum scheint kaum jemand von diesem Bach zu wissen, obwohl er einen großen Teil der Stadt durchquert? Der Grund: Der Nesenbach fließt fast vollständig unterirdisch und ist der sichtbaren Oberfläche verborgen. Er wurde nach und nach zu einem Abwasserkanal umfunktioniert und überdeckt, um die Stadt vor Gerüchen zu schützen und neuen Bauraum zu schaffen.

Dieses Projekt zielt darauf ab, den Bach wieder in die Stadtlandschaft zu integrieren, um Stuttgart mit einer natürlichen, frei fließenden Landschaft zu bereichern. Der Bach dient nicht mehr als Abwasserkanal, sondern soll einen natürlichen Fluss nachbilden. Dabei werden natürliche, offene Ufer geschaffen, die eine Verbindung zwischen dem Bach und großzügigen Grünflächen herstellen.

Die Landschaft bietet Lebensraum für Arten, die auf Flussufer angewiesen sind, wie Salix alba und Calopteryx splendens, und trägt durch die Entsiegelung städtischer Flächen zur Resilienz gegenüber Starkregen bei, während gleichzeitig Grünflächen für soziale Aktivitäten entstehen.

Von Moritz Bleyer, Roberts Pučko und Samuel Rohatschek

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Querschnitt des freigelegten Bachs mit Lebensräumen, Ressourcen und Interaktionen

Weinberge in der Stadtlandschaft: ein ökologisches Mosaik

Jahrelang litten die Stuttgarter Weinberge unter mangelnder Biodiversität. Dies macht die Kulturen besonders anfällig für Schädlinge und Krankheiten, was wiederum den Einsatz von Pestiziden erhöht. Um langfristige Resilienz zu gewährleisten, müssen die Weinberge sich weiterentwickeln. Der Schlüssel ist Kooperation: Private Eigentümer und öffentliche Institutionen arbeiten zusammen, um Weinberge von rein produktiven Flächen in multifunktionale Räume zu transformieren, die ökologische und soziale Werte verbinden.

Durch kleine, gezielt platzierte Eingriffe werden Wege, Treffpunkte und vielfältige Bepflanzungen integriert, ohne den landwirtschaftlichen Betrieb zu stören. Terrassierte Hänge werden zu Freilichttheatern, Sitzlandschaften und städtischen Verbindungsachsen. So entstehen Orte des Alltags, Lernens und kulturellen Austauschs – eine Landschaft, die nicht nur Wein produziert, sondern auch Biodiversität, Resilienz und eine gemeinsame urbane Identität.

Von Laura Cano, Daniel Willcox und Malak Zaghloul

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Die Stuttgarter Weinberge als multifunktionales ökologisches Mosaik – Vision-Collage

Veielbrunnenpark: gemeinsamer Raum in Stuttgart

Diese Entwurfsvision entstand aus der Analyse zweier städtischer Ökosysteme – Feuchtgebiete und Wiesen – sowie aus der Erforschung von Mineralquellen und Grundwassersystemen in Stuttgart. Das Ergebnis ist der Veielbrunnenpark, ursprünglich weitgehend nur für die menschliche Nutzung gestaltet.

Der Vorschlag sieht den Park als vernetzten, mehr-als-menschlichen Lebensraum vor, in dem Menschen und Wildtiere durch gemeinsame Erfahrungen koexistieren. Koexistenz wird nicht symbolisch verstanden, sondern greifbar und erlebbar – durch Wasser und Boden, Geräusche und Bewegung, Pausen und Querungen. Durch die Verbindung von Boden, Hydrologie und lebenden Systemen wird der Park zu einem Ort der Bewusstseinsbildung, an dem Menschen erkennen, dass sie Teil der Natur und nicht von ihr getrennt sind.

Von Lilli Greuter

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Coexist – Shared Grounds: Vision-Säulen

 

Die Ergebnisse rund um „Wild Cities“ werden aktuell in dem Blogg                               "Mehr Wildnis für die Stadtplanung der Zukunft, bitte!" diskutiert“ 

Link zum Blogg

Kontakt

Angie Carolina Camacho-Gutierrez

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