Neuer Artikel geht der Frage nach, warum Menschen das Management von invasiven Arten in der Stadt ablehnen oder befürworten.

29. September 2022

[Bild: T. Fischer]

Ein Team von Wissenschaftler*innen unter Mitwirkung des ILPÖ hat untersucht, warum Menschen das Management von invasiven Arten in der Stadt ablehnen oder befürworten.

Städte sind Hotspots für nicht einheimische Arten, und der Umgang mit diesen Arten ist ein wichtiges Thema in der Umweltpolitik. Entsprechende Maßnahmen sind jedoch sehr umstritten, da nicht einheimische Arten sowohl schädlich als auch nützlich sein können und einige Menschen generell gegen die Tötung von Tieren oder die Ausrottung von Pflanzen sind. Wenn man versteht, warum Menschen Maßnahmen gegen nicht einheimische Arten akzeptieren oder ablehnen, kann der Schutz der biologischen Vielfalt in Städten effektiver werden. Wir haben herausgefunden, dass der persönliche Hintergrund der Stadtbewohner*innen, einschließlich ihrer Emotionen und Gedanken über die Natur, ausschlaggebend für ihre Einstellung zu Maßnahmen gegen nicht einheimische Arten ist. Dies hat wichtige Auswirkungen auf das Management.

Wir befragten dazu 658 Einwohner*innen in Berlin, Deutschland, wie sie zu drei Arten von Maßnahmen gegen nicht einheimische Tiere und Pflanzen stehen, wobei der Grad des Eingriff vom Nichtstun über eine nicht spezifizierte Populationskontrolle bis hin zur vollständigen Beseitigung der Arten reicht. Wir zeigten Bilder von zwei nicht einheimischen Tieren (Waschbär, Mandarinente) und Pflanzen (Götterbaum, Indisches Springkraut) zusammen mit Bildern ähnlicher einheimischer Arten, um herauszufinden, ob es unterschiedliche Ansichten über einheimische und nicht einheimische Arten gibt.

Im Allgemeinen waren die Ansichten über Maßnahmen gegenüber Tier- und Pflanzenarten ähnlich. Die vollständige Entfernung von Arten fand die geringste Unterstützung. Allerdings befürworteten die Befragten Maßnahmen gegen nicht einheimische Arten stärker als für einheimische Arten. Wir haben eine Reihe von Erklärungen für die unterschiedlichen Ansichten zu den verschiedenen Maßnahmen gefunden. So waren beispielsweise Frauen, jüngere Menschen und Gärtner toleranter gegenüber nicht einheimischen Arten. Die Werte, Gefühle, Überzeugungen und das selbst eingeschätzte Wissen der Befragten über die Natur waren jedoch die wichtigsten Faktoren, die ihre Ansichten über Maßnahmen gegen nicht einheimische Arten erklärten. So waren beispielsweise diejenigen, die Tieren oder Pflanzen menschliche Eigenschaften zuschrieben, toleranter gegenüber nicht einheimischen Arten. Außerdem war es wichtiger, was die Menschen über nicht einheimische Arten glaubten, als was sie über sie wussten.

Wir kommen zu dem Schluss, dass Menschen, die die Umwelt in Städten managen, sich der auffallenden Vielfalt der Ansichten der Menschen über Maßnahmen zur Kontrolle - oder Nichtkontrolle - nicht einheimischer Arten bewusst sein sollten. Die Berücksichtigung dieser Vielfalt ist der Schlüssel zur Festlegung geeigneter und allgemein akzeptierter Maßnahmen gegen diese Arten in den Städten.

Straka, T. M., Bach, L., Klisch, U., Egerer, M. H., Fischer, L. K., & Kowarik, I. (2022). Beyond values: How emotions, anthropomorphism, beliefs and knowledge relate to the acceptability of native and non-native species management in cities. People and Nature, 00, 1– 15.

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